Fortbildung

Schwerpunkt der vom IFTR organisierten Fortbildungsmaßnahmen sind Seminare zur Einübung eines kognitiv-behavioralen Behandlungsprogramms für Sexualstraftäter (BPS-R)

Das Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter in der revidierten Form (BPS-R)

Das BPS-R berücksichtigt die internationalen Erfahrungen und Forschungsergebnisse in der Behandlung von Sexualstraftätern mit kognitiv-behavioralen Methoden. Es ist sowohl als Baustein in einem therapeutischen Gesamtkonzept als auch als alleinige Behandlungsmaßnahme einsetzbar. Das BPS wird seit mehr als 15 Jahren in Sozialtherapeutischen Einrichtungen, im restlichen Strafvollzug, im Maßregelvollzug der Landeskrankenhäuser und zunehmend auch im ambulanten Setting angewandt. In Deutschland arbeiten inzwischen mehr als 50 Einrichtungen mit diesem Programm. Damit ist das BPS das in Deutschland am häufigsten vertretende Sexualstraftäterprogramm in sozialtherapeutischen Einrichtungen auf kognitiv-behavioraler Grundlage.

Das BPS-R (M1) besteht aus zwei Teilen, einem deliktunspezifischen und einem deliktspezifischen Teil:
• Am deliktunspezifischen Teil können auch Sexualstraftäter teilnehmen, die ihre Straftat (noch) nicht eingestehen. Vier Ziele stehen im Vordergrund: (1) Herstellen bzw. Erweitern von Behandlungsfähigkeit (2) Abbau von Ängsten, (3) Aufbau einer therapeutischen Beziehung und (4) Behandlung von Faktoren, die die Rückfälligkeit senken, ohne das Delikt anzusprechen. Der deliktunspezifische Teil eignet sich grundsätzlich auch für Täter mit anderen Delikten zum Training sozialer Kompetenzen.

• Der deliktspezifische Teil befasst sich ausschließlich mit dem Sexualdelikt und setzt die Bereitschaft voraus, sich mit dieser Straftat auseinanderzusetzen.

In die jetzt vorliegende revidierte Fassung, dem BPS-R, sind neuere Erkenntnisse aus der Behandlungsforschung sowie vielfältige Erfahrungen aus der Praxis eingeflossen.

Das Manual (M1) besteht aus folgenden Teilen: Theoretische Grundlagen, Ablauf der Programmeinheiten, Kopiervorlagen für Arbeitsblätter und Overhead-Folien, Einstellungskarten, Poster (Ringordner DIN A4 mit ca. 700 Seiten) und eine CD mit den Arbeitsblättern und Folien.

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Darüber hinaus wird ein praxiserprobter deutschsprachiger kognitiv-behavioraler Behandlungsansatz für lernbehinderte Sexualstraftäter in einem ergänzenden Manual (M2) angeboten. Das Manual ist anlog aufgebaut. Der Ringordner enthält ca. 400 Seiten. Darin ist der Ablauf aller Programmeinheiten erläutert und es sind die für die Durchführung erforderlichen Arbeitsblätter, Einstellungs- und Symbolkarten enthalten. Zusätzlich sind auf einer CD alle Materialien und eine Fotosammlung zum Ausdrucken hinterlegt.

BPS-R-Manual-Teil2

Die Marke BPS ist geschützt (Eintragung in das Register des Deutschen Patent- und Markenamts).

 

Die Fortbildung

Ziel der Fortbildungsreihe ist es, die Teilnehmer zu befähigen, das BPS-R selbständig durchzuführen. Alle Methoden werden in der Kleingruppe geübt. Um eine intensive Arbeit in Kleingruppen zu ermöglichen, wird angestrebt, die Teilnehmerzahl an der Fortbildung auf 20 Personen zu begrenzen.

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Einzeln gebucht werden können:
BPS-R Block 1 und 2 (insgesamt 8 Tage)
BPS-R für Lernbehinderte (Block 3, 3 Tage)


Voraussetzung für die Teilnahme an Block 3 ist die Teilnahme an Block 1 und 2 zu einem vorhergehenden Zeitpunkt.

Die Fortbildung wird bei der Psychotherapeutenkammer akkreditiert.

Die in den Seminaren eingesetzten Verfahren – Grundlagen, BPS-R Manuale 1 und 2, RRS – werden vom Kriminalpädagogischen Verlag Lingen vertrieben.

Seit dem Jahre 2000 haben ca. 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Justizvollzug, dem Maßregelvollzug und der ambulanten Straffälligenhilfe an Fortbildungen zur korrekten Anwendung des BPS oder BPS-R teilgenommen. Die Seminare waren ungefähr zur Hälfte mit weiblichen und männlichen Teilnehmern besetzt, davon ca. 40% Psychologen, 30% Sozialarbeiter und Pädagogen, 20% AVD oder Pflegedienst sowie 10% Ärzte.

 

Inhalte der drei Seminare:

Block 1 und 2



Theoretische Grundlagen

Klassifizierung von Sexualstraftätern • Ergebnisse der Prognoseforschung • Ergebnisse der Behandlungsforschung und Folgerungen für die Entwicklung von Behandlungskonzepten • Kognitiv-behaviorale Behandlungsansätze • Rahmenbedingungen für die Durchführung des BPS-R • Eingangsdiagnostik, Erfolgskontrolle, Verlaufsmessungen • Sexualität: Normalität und Devianz, Gesellschaftliche Reaktionen, sexuelle Fantasien • Grenzen der Behandelbarkeit (Umgang mit „Psychopathy“)

Training der Methoden des BPS-R Teil U

• Ergänzende theoretische Grundlagen zu den Trainingseinheiten • Übung aller Methoden

Training der Methoden des BPS-R Teil S

• Ergänzende theoretische Grundlagen zu den Trainingseinheiten • Übung aller Methoden

Training im Umgang mit dem Prognoseinstrument RRS (Rückfallrisiko bei Sexualstraftätern)

Rückfallrisiko-bei-sexualstraftätern

Das RRS (Rehder und Suhling, 2006) ist ein Verfahren zur Bestimmung von Rückfallrisiko und Behandlungsnotwendigkeit bei Sexualstraftätern. Es dient dazu, die Vorhersage sowohl einschlägiger Rückfälle als auch von Rückfällen, die zu einer erneuten Inhaftierung führen, zu verbessern.

Das Verfahren kann somit insbesondere die Feststellung einer Behandlungsindikation im Rahmen der Behandlungsuntersuchung gemäß § 6 des Strafvollzugsgesetzes erleichtern. Es ist daneben im Zuge einer gerichtlichen Begutachtung ebenso sinnvoll einsetzbar wie bei der Eingangsdiagnostik im Maßregelvollzug der Landeskrankenhäuser. Das RRS eignet sich weiterhin als Forschungsinstrument.

Basis des RRS bildet eine Rückfalluntersuchung von 245 haftentlassenen deutschen Sexualstraftätern, von denen Daten aus der Persönlichkeitsuntersuchung während ihrer Haft vorlagen. Anhand von elf Kriterien lassen sich sowohl die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Sexualdelikts als auch die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Inhaftierung bestimmen.

Für das Verfahren liegen Normen vor: Neben Prozenträngen und T-Werten lässt sich eine Zuordnung zu vier Gruppen mit unterschiedlicher Rückfallwahrschein-lichkeit vornehmen.

Die vierte Auflage wurde um eine Zusammenfassung von zwölf wichtigen Rückfalluntersuchungen und drei Metaanalysen zu Behandlungseffekten sowie um einige Validierungsergebnisse ergänzt. Weiterhin belegen ROC-Analysen die Bedeutung des Verfahrens. Eine veränderte Struktur erleichtert nunmehr die Auswertung.

Referenten

Dr. Bernd Wischka
Psychologischer Psychotherapeut, ehem. Leiter der sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Lingen.

Dr. Ulrich Rehder
Psychologischer Psychotherapeut, ehem. Leiter der sozialtherapeutischen Anstalt Bad Gandersheim.

Block 3

(Zusatzmodul für lernbehinderte Sexualstraftäter)



Training der Methoden des Manuals 2 für lernbehinderte Sexualstraftäter

• Ergänzende theoretische Grundlagen zu den Trainingseinheiten
• Übungen von Methoden


Aus den unterschiedlichen Erfahrungen in der Täterarbeit hat sich gezeigt, dass es Teilnehmer gibt, die Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Verstehen haben. Sie sind im Konkreten verhaftet, komplexe Zusammenhänge werden nicht verstanden und die Fähigkeit, Gedanken und Gefühle anderer Teilnehmer zu erfassen, ist deutlich eingeschränkt. Sie können den Anweisungen und der Wissensvermittlung nicht folgen, ziehen sich in der Gruppe vermehrt zurück und wirken auf Nachfragen abweisend, angespannt und aggressiv.

Betrachtet man die Lebensgeschichte dieser Menschen, so zeigen sich Traumatisierungen, Gewalterfahrungen, sexuelle Übergriffe in der Familie, gegebenenfalls ein eigener sexueller Missbrauch, Verwahrlosung und viele unterschiedliche, wenig verlässliche Bezugspersonen. Viele sind in Heimen aufgewachsen. Eine genügende schulische Förderung hat selten stattgefunden

Diagnostisch handelt es sich meist um Formen einer Lernbehinderung mit Lese-Rechtschreibeschwäche und Entwicklungsstörung (Intelligenzquotienten im Bereich von 70 bis 85) oder eine leichte Intelligenzminderung (Intelligenzquotienten im Bereich von 50 bis 69). Dieses Intelligenzniveau entspräche bei einem Erwachsenen einem Intelligenzalter von etwa 9 bis unter 12 Jahren. Probleme mit dem Lesen, Schreiben und Verstehen haben auch Menschen mit einem Migrationshintergrund, die nur unzureichend gefördert und integriert wurden. Das Manual für Lernbehinderte ist aus der langjährigen Praxis entstanden.

Die Besonderheiten im Manual für Lernbehinderte
• Konkrete und einfache Sprache
• Ritualisierte Eingangsfragen
• Ressourcenorientiertes Arbeiten: Herausarbeiten von Stärken und Fähigkeiten.
• Wissensvermittlung ist erlebbar gestaltet durch Rollenspiele, Collagen und Fotoserien.
• Die Programmeinheiten des U-Teils und des S-Teils wurden z. T. reduziert, vereinfacht, z. T. bezogen auf die Zielgruppe ergänzt
• Vertiefende Behandlung des Themas Sexualität (Aufklärung, Fantasien, triebdämpfende Medikation)
• Einführung von 3 Fallbespielen zur praxisnahen Wissensvermittlung
• Notfallplan in Textform und in einer sprachfreien Form


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Die Fallbespiele Tim, Udo und Andreas

Anhand von 3 Fallbeispielen werden unterschiedliche Tätertypen (Tim: Vergewaltigung Erwachsener, Udo: sexueller Missbrauch von Kindern mit Vertrauensaufbau und Andreas: sexueller Missbrauch von Kindern ohne Vertrauensaufbau) dargestellt. Diese Darstellungen wurden so gewählt, dass die Teilnehmer sich in einem Beispiel wiederfinden können und bei den Ausarbeitungen in den Einheiten ein besseres Verständnis für die Inhalte der Sitzungen bekommen. Tim, Udo, Andreas durchlaufen als fiktive Teilnehmer den delikt-spezifischen Behandlungsteil vom Tatvorlauf in Einheit S04 „Meine Ausreden“ bis zur Einheit S11 „Mein Notfallplan“.

Referenten

Frank Löhr, Dipl. Psych., Psychologischer Psychotherapeut Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Lüneburg
Stefanie Wenzlaw, Fachkrankenschwester, Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Lüneburg


Inhaltliche Fragen zum Seminar?

Weitere Informationen finden Sie unter www.frankloehr.de
Gerne können Sie unter mail@frankloehr.de auch Kontakt aufnehmen.

Anmeldung

Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar ist eine erfolgte BPS/BPS-R Grundausbildung zu einem früheren Zeitpunkt.

Aktuelle Termine 2017/18, Veranstaltungsorte und Seminarkosten

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