Fortbildung

Schwerpunkt der vom IFTR organisierten Fortbildungsmaßnahmen sind Seminare zur Einübung eines kognitiv-behavioralen Behandlungsprogramms für Sexualstraftäter (BPS-R)

Das Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter in der revidierten Form (BPS-R)

Das BPS-R berücksichtigt die internationalen Erfahrungen und Forschungsergebnisse in der Behandlung von Sexualstraftätern mit kognitiv-behavioralen Methoden. Es ist sowohl als Baustein in einem therapeutischen Gesamtkonzept als auch als alleinige Behandlungsmaßnahme einsetzbar. Das BPS wird seit ca. 20 Jahren in Sozialtherapeutischen Einrichtungen, im restlichen Strafvollzug, im Maßregelvollzug der Landeskrankenhäuser und zunehmend auch im ambulanten Setting angewandt. In Deutschland arbeiten inzwischen mehr als 60 Einrichtungen mit diesem Programm. Damit ist das BPS das in Deutschland am häufigsten vertretende Sexualstraftäterprogramm in sozialtherapeutischen Einrichtungen auf kognitiv-behavioraler Grundlage.

Das BPS-R (M1) besteht aus zwei Teilen, einem deliktunspezifischen und einem deliktspezifischen Teil:
• Am deliktunspezifischen Teil können auch Sexualstraftäter teilnehmen, die ihre Straftat (noch) nicht eingestehen. Im Vordergrund stehen die Ziele: (1) Befähigung zur Teilnahme an Gruppentherapie (2) Bearbeitung kritischer Verhaltensmuster, die zu Sexualstraftaten beitragen können (3) Vorbereitung auf den deliktspezifischen Teil (4) Aufbau einer therapeutischen Beziehung.

Der deliktunspezifische Teil eignet sich grundsätzlich auch für Täter mit anderen Delikten zum Training sozialer Kompetenzen.

• Der deliktspezifische Teil befasst sich ausschließlich mit dem Sexualdelikt und setzt die Bereitschaft voraus, sich mit dieser Straftat auseinanderzusetzen.

In die jetzt vorliegende revidierte Fassung, dem BPS-R, sind neuere Erkenntnisse aus der Behandlungsforschung sowie vielfältige Erfahrungen aus der Praxis eingeflossen.

Das Manual (M1) besteht aus folgenden Teilen: Theoretische Grundlagen, Ablauf der Programmeinheiten, Kopiervorlagen für Arbeitsblätter und Overhead-Folien, Einstellungskarten, Poster (Ringordner DIN A4 mit ca. 700 Seiten) und eine CD mit den Arbeitsblättern und Folien.

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Darüber hinaus wird ein praxiserprobter deutschsprachiger kognitiv-behavioraler Behandlungsansatz für lernbehinderte Sexualstraftäter in einem ergänzenden Manual (M2) angeboten. Das Manual ist anlog aufgebaut. Der Ringordner enthält ca. 400 Seiten. Darin ist der Ablauf aller Programmeinheiten erläutert und es sind die für die Durchführung erforderlichen Arbeitsblätter, Einstellungs- und Symbolkarten enthalten. Zusätzlich sind auf einer CD alle Materialien und eine Fotosammlung zum Ausdrucken hinterlegt.

BPS-R-Manual-Teil2

Die Marke BPS ist geschützt (Eintragung in das Register des Deutschen Patent- und Markenamts).

 

Die Fortbildung

Ziel der Fortbildungsreihe ist es, die Teilnehmer zu befähigen, das BPS-R selbständig durchzuführen. Alle Methoden werden in der Kleingruppe geübt. Um eine intensive Arbeit in Kleingruppen zu ermöglichen, ist die Teilnehmerzahl an der Fortbildung auf 20 Personen begrenzt.

bps-fortbildung

Einzeln gebucht werden können:
BPS-R Block 1 und 2 (insgesamt 8 Tage)
BPS-R für Lernbehinderte (3 Tage)


(Voraussetzung für die Teilnahme an Block 3 ist die Teilnahme an Block 1 und 2 zu einem vorhergehenden Zeitpunkt)

Die Fortbildung wird bei der jeweils zuständigen Psychotherapeutenkammer akkreditiert.

Die in den Seminaren eingesetzten Verfahren – Grundlagen, BPS-R Manuale 1 und 2, RRS – werden vom Kriminalpädagogischen Verlag Lingen vertrieben.

Seit dem Jahre 2000 haben ca. 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Justizvollzug, dem Maßregelvollzug und der ambulanten Straffälligenhilfe an Fortbildungen zur korrekten Anwendung des BPS oder BPS-R teilgenommen. Nachfolgende Grafiken zeigen die geschlechts- und berufsspezifische Verteilung der Teilnehmenden.

bps-teilnehmer



 

Inhalte der drei Seminare:

Block 1 und 2



Theoretische Grundlagen

• Klassifizierung von Sexualstraftätern • Ergebnisse der Prognoseforschung • Ergebnisse der Behandlungsforschung und Folgerungen für die Entwicklung von Behandlungskonzepten • Rahmenbedingungen für die Durchführung des BPS-R • Eingangsdiagnostik, Erfolgskontrolle, Verlaufsmessungen • Kognitiv-behaviorale Behandlungsansätze • Sexualität: Normalität und Devianz, Gesellschaftliche Reaktionen, sexuelle Fantasien“ • Grenzen der Behandelbarkeit (Umgang mit „Psychopathy“) • Behandlungsansätze für lern- und intelligenzgeminderte Sexualstraftäter

Training der Methoden des BPS-R Teil U

• Ergänzende theoretische Grundlagen zu den Trainingseinheiten • Übung aller Methoden

Training der Methoden des BPS-R Teil S

• Ergänzende theoretische Grundlagen zu den Trainingseinheiten • Übung aller Methoden

Training im Umgang mit dem Prognoseinstrument RRS II (Rückfallrisiko bei Sexualstraftätern)

Rückfallrisiko-bei-sexualstraftätern

Das RRS II ist ein Verfahren zur Bestimmung von Rückfallrisiko und Behandlungsnotwendigkeit bei Sexualstraftätern. Es dient dazu, die Vorhersage sowohl einschlägiger Rückfälle als auch von Rückfällen, die zu einer erneuten Inhaftierung führen, zu verbessern. Es liegt inzwischen in einer fünften, vollständig überarbeiteten Auflage vor.

Das Verfahren kann die Feststellung einer Behandlungsindikation im Rahmen der Behandlungsuntersuchung erleichtern und ist im Zuge einer gerichtlichen Begutachtung ebenso sinnvoll einsetzbar wie als Forschungsinstrument.

Im Gegensatz zu anderen Prognoseverfahren geht das RRS II nicht von dichotomen Rückfall­kriterien aus (etwa Rückfall mit einem Sexualdelikt ja oder nein), sondern definiert Schweregrade des Rückfalls von Allgemein- und Sexualkriminalität, die mittels Prädiktorvariablen bestimmt werden. Dieses Vorgehen ermöglicht einerseits die Berücksichtigung von unterschiedlichen Ausprägungsgraden der bisherigen und der erwarteten Kriminalität und andererseits die Anwendung klassischer statistischer Verfahren.

Referenten

Dr. Bernd Wischka
Psychologischer Psychotherapeut, ehem. Leiter der sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Lingen.

Dr. Ulrich Rehder
Psychologischer Psychotherapeut, ehem. Leiter der sozialtherapeutischen Anstalt Bad Gandersheim.

Block 3

Zusatzmodul für Lernbehinderte

Für die Arbeit mit dieser Tätergruppe ist ein individuelles und kreatives Arbeiten erforderlich. Täter, die Probleme im Lesen, Schreiben und Verstehen haben, können komplexe Zusammenhänge nur schwer erfassen. Aus der langjährigen Erfahrung im ambulanten und stationären Bereich zeigt sich, dass auch normalintelligente Täter von diesen Methoden profitieren.

Folgende Verfahren kommen zur Anwendung:
• Einfache Sprache
• Rote Faden Karten
• Lebensstraße als Biographiearbeit
• Wissensvermittlung anhand von Fallbeispielen, die als fiktive Teilnehmer den S-Teil durchlaufen
• Symbolarbeit
• Collagen, Fotoserien
• Szenische und individuelle Deliktdarstellung mit Materialien (Deliktkoffer)
• Sprachfreier Notfallplan
• Ressourcenorientiertes Arbeiten

Für die ambulante Täterarbeit findet eine Erweiterung für die Deliktgruppe “Kinderpornographie“ statt.


symbolkarten-manual

Die Fallbespiele Tim, Udo und Andreas

Anhand von 3 Fallbeispielen werden unterschiedliche Tätertypen (Tim: Vergewaltigung Erwachsener, Udo: sexueller Missbrauch von Kindern mit Vertrauensaufbau und Andreas: sexueller Missbrauch von Kindern ohne Vertrauensaufbau) dargestellt. Diese Darstellungen wurden so gewählt, dass die Teilnehmer sich in einem Beispiel wiederfinden können und bei den Ausarbeitungen in den Einheiten ein besseres Verständnis für die Inhalte der Sitzungen bekommen. Tim, Udo, Andreas durchlaufen als fiktive Teilnehmer den delikt-spezifischen Behandlungsteil vom Tatvorlauf in Einheit S04 „Meine Ausreden“ bis zur Einheit S11 „Mein Notfallplan“.

Referenten

Frank Löhr, Dipl. Psych., Psychologischer Psychotherapeut Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Lüneburg
Stefanie Wenzlaw, Fachkrankenschwester, Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Lüneburg


Inhaltliche Fragen zum Seminar?

Weitere Informationen finden Sie unter www.frankloehr.de
Gerne können Sie unter mail@frankloehr.de auch Kontakt aufnehmen.

Anmeldung

Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar ist eine erfolgte BPS/BPS-R Grundausbildung zu einem früheren Zeitpunkt.

Die nächsten Fortbildungstermine:

Fb 2/21 in Rheine
Block 1: 23.11. – 26.11.2021
Block 2: 13.12. – 16.12.2021
Block 3: 10.02. – 12.02.2022
(nur noch wenige Plätze)


Fb 1/22 in Münster
Block 1: 31.01. – 03.02.2022
Block 2: 21.02. – 24.02.2022
Block 3: 21.04. – 23.04.2022


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